Kurzantwort: Feuchttücher gehören nicht in die Toilette. Sie lösen sich im Gegensatz zu Toilettenpapier nicht auf und bilden im Rohr dichte Verstopfungen. Einmal festgesetzt, lassen sie sich meist nur durch mechanische Reinigung oder Hochdruckspülung entfernen.
Das Problem mit Feuchttüchern im Abfluss
Auf vielen Feuchttuch-Verpackungen steht der Hinweis "kein Spielzeug" oder "für Babys", aber selten fehlt er so sehr wie der Hinweis "nicht in die Toilette". Selbst Produkte, die als "flushable" beworben werden, lösen sich in deutschen Abwassersystemen kaum auf. Statt sich wie Toilettenpapier innerhalb von Sekunden zu zersetzen, bleiben Feuchttücher monatelang formstabil.
Im Rohr verhaken sich die Tücher an Rohrwinkeln, Ablagerungen und anderen Fremdkörpern. Mit der Zeit entstehen dichte Knäuel, die den Wasserabfluss zunehmend behindern und schließlich vollständig blockieren.
Welche Schäden entstehen?
- Verstopfte Toiletten und langsam abfließende Becken
- Rückstau in Mehrfamilienhäusern, der andere Wohnungen betrifft
- Erhöhter Druck auf Rohre und Verbindungen
- Schäden an Hebeanlage oder Abwasserpumpe, wenn Tücher in das Pumpwerk geraten
In Bremen wie in vielen anderen Städten sind Feuchttücher einer der häufigsten Gründe für Kanalpflegekosten und teure Notfalleinsätze.
Verstopfung durch Feuchttücher: So reagieren Sie richtig
- Kein weiteres Spülen: Mehrmaliges Spülen treibt das Knäuel tiefer ins Rohr und macht die Beseitigung schwieriger.
- Saugglocke versuchen: Bei frischen Verstopfungen nahe dem Becken kann eine kräftige Saugglocke (Pümpel) helfen.
- Rohrspirale einsetzen: Eine Handrohrspirale kann Tücher auflockern oder herausziehen, wenn die Verstopfung nicht zu tief sitzt.
- Fachbetrieb rufen: Sitzt das Knäuel tiefer im Fallrohr oder in der Grundleitung, führt meist nur eine professionelle Hochdruckspülung oder mechanische Reinigung zum Ziel.
Chemische Mittel helfen hier nicht
Abflussreiniger auf Natronlauge- oder Säurebasis lösen Organisches und Fett auf, aber keine synthetischen Vliesstoffe. Feuchttücher bestehen häufig aus Polyester- oder Polypropylen-Fasern, die chemisch kaum angreifbar sind. Chemische Mittel bringen bei dieser Art von Verstopfung also keinen Nutzen und belasten die Umwelt unnötig.
Richtige Entsorgung von Feuchttüchern
Feuchttücher gehören konsequent in den Restmüll, niemals in die Toilette. Das gilt für alle Produkttypen, auch für solche mit dem Aufdruck "biologisch abbaubar" oder "toilettensicher". In Bremen wird diese Empfehlung auch vom städtischen Abwasserentsorger unterstrichen.
- Babytücher: Restmüll
- Make-up-Entferner-Tücher: Restmüll
- Desinfektion- und Reinigungstücher: Restmüll
- Feuchtes Toilettenpapier (auch wenn als flushable beworben): Restmüll
Vorbeugung im Mehrfamilienhaus
In Mehrfamilienhäusern empfiehlt es sich, Mieter durch einen deutlich sichtbaren Aushang in der Sanitäranlage auf die korrekte Entsorgung hinzuweisen. Wer als Verursacher einer Verstopfung durch Feuchttücher nachgewiesen werden kann, haftet für die Reinigungskosten.